Monatliches Archiv für September, 2006

SuSE 10.1 kann endlich wieder Delta-​RPMs

Hurra! Heute habe ich wegen des SSL-​Bugs hän­disch Updates unse­rer Rech­ner gefah­ren. Und was sehen meine ent­zün­de­ten Augen? Erst kommt ein YaST/​libzypp-​Update und das kann jetzt end­lich wie­der Delta-​RPMs ver­ar­bei­ten! Es lebe der Fortschritt!

Die Pünktlichkeit der Bahn-​AG

Ich bin vor­letzte Woche ein wenig mit der Bahn her­um­ge­fah­ren: Han­no­ver, Karls­ruhe, Stutt­gart, Olten, Luzern und dann noch Ham­burg. Seit­dem weiß ich, wie man Deutsch­land und die Schweiz ganz ein­fach unter­schei­den kann:

In der Schweiz sind die Züge pünkt­lich, in Deutsch­land nicht.

Bei­spiel Hannover-​Karlsruhe: Kommt schon mit plus fünf an, run­det dies dann gene­rös auf plus elf bis Karls­ruhe auf (in Frank­furt waren es sogar plus 13).

Oder Hannover-​Hamburg ein paar Tage spä­ter: Wie­der plus fünf bei der Abfahrt, aus denen bis Ham­burg mal locker plus 20 wer­den. Da bin ich ja bald mit dem Metro­nom schneller.

Auch schön: Die Rück­fahrt von Ham­burg nach Han­no­ver. Der Zug schafft es, auf der sagen­haft lan­gen Stre­cke von Ham­burg Altona nach Ham­burg Haupt­bahn­hof zehn Minu­ten Ver­spä­tung aufzubauen.

In der Schweiz hin­ge­gen: Nichts der­glei­chen. Basel-​Olten, Olten-​Luzern, Luzern-​Olten: Alles auf die Minute pünkt­lich. Auch der ICE von Zürich zurück nach Deutsch­land kommt minu­ten­ge­nau in Olten an. In Frank­furt hat er dann wie­der plus fünf.

Gera­dezu demü­ti­gend war es übri­gens letz­tes Jahr für die DBAG: Da bin ich von Stutt­gart nach Zürich über Sin­gen und Schaff­hau­sen gefah­ren. Wegen irgend­ei­ner Stö­rung hat der Zug bis Schaff­hau­sen lockere plus 30 auf­ge­fah­ren. Die Schwei­zer haben ihn dann über ich-​weiß-​nicht-​was-​für-​welche Stre­cken geschicht. Letzt­lich ist mein Neige-​ICE mit weni­ger als fünf Minu­ten Ver­spä­tung in Zürich ange­kom­men — in der S-​Bahn-​Tiefgeschossstation!

Über die Punkt­lich­keit mei­nes Anschluss­zu­ges in Zürich brau­che ich wohl nichts zu sagen…

Übri­gens: Eben gerade am Haupt­bahn­hof Han­no­ver: Vier Fern­züge ste­hen auf der Anzei­ge­ta­fel — und kei­ner ist pünkt­lich! Ihr seid so gut, Jungs!

Abfahrttafel in Hannover Hauptbahnhof am 12.9.06

Die Ver­spä­tun­gen sind von oben nach unten: Plus fünf, plus fünf­zehn(!), plus zehn, plus fünf…

Fahrkarten kaufen am Automaten in Hamburg Hauptbahnhof

Vor ein paar Tagen kam ich abends am Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof an und wollte mir noch ein Ticket kau­fen. Dank der Auto­ma­ten ja heut­zu­tage kein Pro­blem, dachte ich. In Han­no­ver steht das Rei­se­zen­trum ja voll mit den Din­gern, dachte ich. Da wird das in Ham­burg wohl auch so sein.

Dachte ich.

Also rein ins Rei­se­zen­trum. Hm. von den bekann­ten grauen Käs­ten mit Moni­tor und roter Kopf­ban­de­role ist nichts zu sehen. Statt­des­sen steht in der Ecke alles voll mit irgend­wie ande­ren Auto­ma­ten. Die gro­ßen sehen zwar so aus wie sonst über­all, bloß kann man da keine Rou­ten ein­ge­ben. Und die ande­ren sind irgend­wie nur halb­hoch und erin­nern ent­fernt an eine Hälfte von Scot­tys Beam­kon­sole auf dem Raum­schiff Enter­prise. Steht aber unmiss­ver­ständ­lich „Fahr­plan­aus­kunft” drauf, also nix mit Kar­ten kaufen.

Ich bin ver­wirrt. Dann schwarnt es mir: Willst du eine Fahr­karte kau­fen, brauchst du beide Auto­ma­ten. So läuft das ab:

  • Erst mal an die Beam­kon­sole. Da kann man, wie üblich, sei­nen Fahrt­wunsch ein­ge­ben: Express­kauf, Han­no­ver, 2. Klasse, Bahn­card, keine Reservierung.
  • Jetzt schiebt man aber nicht etwa seine Bahn– oder EC-​Karte in den Kar­ten­schlitz, son­dern drückt „Drucken”.
  • Im Inne­ren des Gerä­tes beginnt es zu rumo­ren. Hm. Das wird doch nicht wirk­lich eine Beam­kon­sole sein, die einen jetzt kur­zer­hand nach Han­no­ver transportiert?
  • Nein. Ein DIN A5 gro­ßer Zet­tel wird aus­ge­spuckt, auf dem sich die nicht son­der­lich kom­plexe Ver­bin­dung Hamburg-​Hannover ein wenig verliert.
  • Mit die­sem Zet­tel geht’s nun an den ande­ren Auto­ma­ten. Oben links hat der Ther­mo­trans­fer­dru­cker näm­lich eine Bar­code auf das Papier — nunja — gedruckt trifft’s nicht so rich­tig. Gehaucht passt viel­leicht bes­ser. Die­sen Bar­code hält man nun dem gro­ßen Auto­ma­ten­bru­der unter sei­nen Sehschlitz.
  • Der Auto­mat liest den Bar­code und wie von Geis­ter­hand weiß er, wel­cher Vor­gang gemeint ist. Nun darf man hier end­lich mit sei­nen Kärt­chen wei­ter­ma­chen und erhält schließ­lich die Fahr­karte ausgedruckt.

Soweit die Theo­rie. In Praxi läuft das dann so ab:

  • Man ver­steht erst­mal über­haupt nicht, was man an der Auto­ma­ten­pha­lanx tun soll.
  • Der Dru­cker in dem Aus­kunfts­au­to­ma­ten ist nerv­tö­tend lang­sam, ver­schwen­det Papier ohne Ende und hat eine üble Druck­qua­li­tät. Er muss sich beschimp­fen lassen.
  • Die „Kas­sen­au­to­ma­ten” sind alle besetzt.
  • Der erste Kas­sen­au­to­mat kann den Bar­code nicht lesen.
  • Der zweite Kas­sen­au­to­mat liest ihn wider­wil­ligst und sagt dann „Vor­gangs­num­mer nicht bekannt.”
  • Der dritte Kas­sen­au­to­mat kann den Bar­code nicht lesen und wird stum­mer Emp­fän­ger des nächs­ten Aus­bruchs des ange­stau­ten Frustes.
  • Ein ande­res leid­ge­plag­tes Opfer der Blech­de­struk­to­ren erklärt end­lich, dass man den über den Bar­code gedruck­ten Pfeil auf dem Aus­druck vom ers­ten Auto­ma­ten tun­lichst gaaaaaanz genau unter den ent­spre­chende Pfeil am Scan­ner hal­ten muss. Gaaaaaanz genau. Und das Blatt nicht zu schief. Und still hal­ten. Soooooo. *Piep*
  • Das Bezah­len ist dann vom drit­ten Wut­aus­bruch begleitet.

Liebe Bahn-​AG, was soll die­ser Schwach­sinn?!? Wenn ich in einem Rei­se­zen­trum eine Fahr­karte kau­fen will, dann möchte ich das mög­lichst schnör­kel­los und zügig über die Bühne brin­gen. Ich bin dann eigent­lich nicht gewillt, zur Belus­ti­gung eini­ger zusam­men­ge­rot­te­ter Möchtegern-​Fahrkartenautomaten einen mitt­le­ren Papier­krieg vom Zaune zu brechen.

Ein guter Rat von jeman­dem, den die Din­ger durch­aus häu­fi­ger nutzt: Lasst das! Stellt ein­fach die schö­nen, gut bedien­ba­ren All-​Inklusive-​Geräte auf, an denen man bin­nen einer Minute ein­fach nur eine Fahr­karte zie­hen kann. Inklu­sive bar­geld­lo­sem Bezah­len mit der EC-​Karte und Punk­te­sam­meln mit der Bahn­card. Die­ses Ham­burg­kon­zept in Quark. Und kommt mir jetzt nicht mit „Aber viele Leute wol­len doch nur ‚ne Aus­kunft.” Ers­tens stimmt das nicht und zwei­tens — seit wann muss ich für eine Fahr­plan­aus­kunft ange­ben, ob ich eine Sitz­platz­re­ser­vie­rung will?!?